experimentelle und kameralose Fotografie - über meine Arbeit

Die Tradition der kameralosen Fotografie besteht bereits seit Erfindung der Fotografie selbst. Einige Künstler und Fotografen waren immer wieder bestrebt, den Umweg über die Kamera auszuklammern, neue Bildwelten zu schaffen und neue Sichtweisen zu vermitteln.
Die scheinbar einfachste aber dennoch eine der eindruckvollsten Techniken aus diesem Metier ist das Fotogramm.
Indem Gegenstände (oder Körper), zumeist im direkten Kontakt auf das fotografische Material aufbelichtet werden, entstehen Schattenrisse, Silhouetten, die zum Teil enorme Tiefe und Plastizität vermitteln. Jedes der so entstandenen und im Voraus nicht immer genau kalkulierbaren Resultate ist ein Unikat.
Neben dem Drang zu experimentieren, zu forschen und nach neuen Wegen zu suchen, ist auch das Zusammenspiel mit dem Zufall ein reizvoller und wichtiger Aspekt bei der Herstellung dieser Lichtbilder.
Bekannte Vertreter wie William Henri Fox Talbot, Christian Schad, Man Ray, El Lissiztzky, Laslo Moholy Nagy, Adam Fuss und Floris Neusüss haben sich schon ausgebigst mit dieser Technik auseinandergesetzt und bedeutende Werke hervorgebracht.
Weitere Fototechniken ohne Kamera sind zum Beispiel das Luminogramm (Lichtmalerei) und das Chemigramm (Fotografien, die durch Anwendung chemischer Substanzen auf dem lichtempfindlichen Material entstehen).
Dieses Verfahren dient mir als Grundlage zur Erstellung meiner Körperdrucke, die ich Nudographien nenne. Durch die Reaktion, die beim direkten Auftragen, bzw. Drucken von bestimmten Lösungen durch den Körper auf die lichtempfindliche Schicht verursacht werden, entstehen viele meiner Bilder. Im Gegensatz zum Fotogramm bietet mir diese Technik die Möglichkeit Oberflächenstrukturen bzw. Hautstrukturen (ähnlich einem Fingerabdruck) wiederzugeben.
Manchmal, je nach Bedarf, kombiniere ich verschiedene Techniken miteinander (zum Beispiel die Nudographie mit der Fotogrammtechnik) oder ich kopiere Negative als Hintergründe in die Bilder mit ein, um den Körpern einen Raum zu schaffen oder einen Bezug zu herzustellen - in diesen Ausnahmefällen also keine reine kameralose Fotografie.
Oft koloriere ich meine Arbeiten mit Eiweißlasurfarben oder tone sie chemisch.
Durch den Gebrauch des Körpers als Malwerkzeug oder direktes Gestaltungsmittel, stehen meine Arbeiten in der Tradition der Nudogramme von Floris M. Neusüss und den Anthropometrien von Yves Klein.
Die kameralose Fotografie kann man, ähnlich wie einst in der Malerei, als eine Art Befreiung dieser Kunstform betrachten. Eine Erlösung ihrer ursprünglich angedachten Aufgabe, die Realität und den nach außen gerichteten Blick festzuhalten. Die Fotografie ist nun nicht mehr nur dazu da zu bannen was man auch sehen kann, sondern vielmehr Dinge und Bilder sichtbar zu machen, die es vorher nicht gab oder zumindest in ihrer neuen Form so nicht wahrzunehmen waren.
Diese Bilder werden nicht mehr nur aufgenommen, sondern ganz neu geschaffen.