Frank Heer

experimentelle und kameralose Fotografie,

Nudographie


Kameralose Fotografie klingt ein wenig wie Malerei ohne Farbe oder Skulptur ohne Form.
Was im ersten Moment widersprüchlich erscheint, hat jedoch lange schon Tradition. Bereits seit den Anfängen der Fotografie waren Künstler und Fotografen immer wieder bestrebt, den Umweg über die Kamera auszuklammern, neue Bildwelten zu schaffen und neue Sichtweisen zu vermitteln.

Neben dem Drang zu experimentieren, zu forschen und nach neuen Wegen zu suchen, ist auch das Zusammenspiel mit dem Zufall ein wichtiger und reizvoller Aspekt bei der Herstellung dieser Unikate.
Ich präpariere meinen Körper mit einer chemischen Lösung und drucke mich im direkten Kontakt auf das Fotomaterial. So entstehen viele meiner großformartigen Bilder, die ich Nudographien nenne. Weitere Techniken der kameralosen Fotografie (z.B. Fotogramm) stellen einen wichtigen Bestandteil meiner Arbeit dar. Einzeln oder in Verbindung mit anderen Verfahren, benutze ich diese bei der Umsetzung meiner Werke.
Immer auf der Suche den direkten Weg ins Bild zu finden, das Wesentliche und den Kern auf Fotomaterial zu erfassen und zu bannen, schließe ich den Umweg über Objektiv und Kamera, bis auf wenige Ausnahmen, aus.

In gewisser Weise ist die kameralose Fotografie eine Erlösung der Fotografie. Ihre ursprüngliche Aufgabe war, die Realität festzuhalten und das Sichtbare zu bannen. Dem gegenüber steht hier nun die Aufgabe, Dinge und Bilder zu zeigen, die es vorher nicht gab oder bisher in ihrer neuen Form so nicht wahrnehmbar waren. Diese Bilder werden also nicht mehr nur aufgenommen und abgelichtet, sondern es werden Bildwelten völlig neu geschaffen.